Zurück zum Anfang: Kinderzeichnungen

Selten blättere ich durch den voluminösen Stapel meiner Kinderzeichnungen. Doch wenn ich es tue, muss ich verdutzt feststellen, dass ich damals „besser zeichnen konnte.“

Mit 3, 4, 5 Jahren – welch ein Schwung! Welch ein Mut!

Keine Scheu vor Rosa, Sternen und Herzen (die mir immer noch gefallen).

Keine Furcht vor Perspektive, ich kannte ja keine.

Kein Respekt vor Schatten, ich setzte ja keine.

Kein Versuch, meine Charaktere mit Wiedererkennungseffekt zu versehen – wer wer war entschied ich, Punkt.

Keine Idee, was die anderen zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler jenseits des Schulkorridors draufhatten. Ich glaube auch nicht, dass es mich sonderlich interessiert hätte.

Welch ein Selbstvertrauen zeigt sich in diesen Zeichnungen.

Und welch ein Sinn für Komposition! Mal ist das Papier regelmäßig voll bemalt, mal bleibt eine große weiße Stelle leer. Offensichtlich gezielt eingesetzt. Keine Angst vor der Leere.

Welch ein Sinn für Rhythmus und Abstraktion!

Und welch ein Kontrast auf einem der Blätter, zwischen dem sehr kleinen Haus und der großen Person daneben. Wusste ich schon damals, dass Menschen wichtiger sind als Objekte? Zwei Jahrzehnte später konnte ich dieses Darstellungsprinzip benennen: Bedeutungsperspektive.

Welche eine Freiheit und Bescheidenheit in der Auswahl der Materialien. Schmierpapier war gut genug.

Wieviel Fokus und Energie diese Zeichnungen vermitteln.

Und wie produktiv ich damals war! Mehrere fertige Zeichnungen am Tag. Wo ich jetzt mehrere Wochen für eine brauche.

Von den Kinderzeichnungen habe ich ein Drittel weggeworfen. Die meisten waren gut gewesen. Die „schönsten“ habe ich aufbewahrt.

Interessant fand ich meine Bewertung der Zeichnungen. Wenn ich eine Zeichnung sehr mochte, aber auf der Rückseite entdeckte, dass sie gar nicht von mir stammte, konnte ich sie einfach loslassen. Wenn mein eigener Name dahinterstand, spürte ich sofort eine Vertrautheit.

„Habe ICH gezeichnet!“ ist anscheinend ein Stolz, der sehr flexibel einsetzbar ist.

Von meinen Zeichnungen als Teenager habe ich zwei Drittel weggeworfen. Da war mehr Schmerz drin, da fing es an mit der Unsicherheit. Wenn sie einmal zum Ausdruck gebracht ist, brauche ich die Emotion nicht länger in Form der Zeichnung aufbewahren. Ihr Zweck ist erfüllt.

Danach kam die Kunsthochschule, wo ich lernte, diese Kindesenergie zu lenken ohne sie zu beschädigen. Wir erarbeiteten Techniken, um frisch und spontan zu bleiben, bevor wir den Pinsel zum 10.000sten Mal in die Hand nahmen.

Dann ging es darum, Ausdauer zu zeigen. Denn das Kind, das ich war, zeichnete einfach in Freiheit. Will die Illustration als Beruf ausgeübt werden, kommen die Einschränkungen.

Diese Einschränkungen sind ein Segen, denn sie laden mich ein, neue visuelle Orte zu eröffnen und zu erkunden.

Dennoch bleiben Bewertungskriterien weiterhin wichtig:

– „Habe ich Spaß am Zeichnen?“

Wenn die Freude völlig abhanden gekommen ist, ist etwas schief gelaufen.

– „Kommt eine gewisse Unbeschwertheit bei den Betrachtenden an?“

Wenn sie fehlt, darf ich darüber reflektieren, an welchem Punkt im Prozess ich sie selbst verloren habe, sodass ihr Fehlen im außen spürbar ist.

Papier, Feder, Pinsel und Farbe

Die Farbe. Flüssig. Davon hat die Feder viel aufgenommen. Anscheinend zu viel. Ich schreibe ein Wort, schön und gleichmäßig, und beim letzten Buchstaben – Platsch! Mein Wort schwimmt im Guss.

Das Papier.

Der Strich war perfekt. Für eine Sekunde. Dann verhält sich der Grund wie Löschpapier. Er war offener als ich dachte. Die Linie ist nicht mehr sauber.

Die Feder.

Ich will aus runden Armbewegungen runde Buchstaben machen. Ich atme ein und starte. Die Feder stemmt sich gegen meinen Schwung. Viel zu früh stoppt sie auf dem Papier und ich kann meinen Buchstaben nicht zu Ende schreiben.

Der Pinsel.

Aus dem Pinsel hat sich ein Haar gelöst. Nun liegt es mitten in der Farbfläche. Wenn ich es mit dem Finger heraushole, zerstöre ich die Ruhe des gleichmäßigen Farbauftrages, der bald ganz getrocknet ist.

Das Papier.

Ich bin ins Zeichnen versunken. Für einen angewinkelten Pinselstrich stütze ich meinen Ellbogen auf der Arbeitsfläche ab. Und schon ist es passiert: Das Papier hat am Rande einen unheilbaren Knick bekommen.

Die Farbe wieder.

Voll dabei, zeichne ich weiter. Währenddessen bemerke ich nicht, dass meine Hand über die soeben gezeichneten Striche streift. Die Farbe ist da gelandet, wo sie nicht hingehört.

Feder, Pinsel, Papier, Farbe … so unschuldig.

Für wen zeichne ich?

Meine Kundin mag die Zeichnung, und ich nicht. Ich mag die Zeichnung, und mein Kunde nicht. Eine von diesen beiden Situationen kann ich inzwischen vermeiden.

Ich zeige nur noch Zeichnungen, hinter denen ich stehen kann.

Es soll sich ja niemand in eine Illustration verlieben, für die ich mich schämen würde.

Auch wenn ich Schamkompetenz sehr schätze.

Und wenn meine Kundin die Zeichnung nicht mag. Dann liegt es meistens an etwas.

In der Regel kann ich es sogar verstehen. Die Herausforderung nehme ich an.

Es ist schon schön und soll noch schöner werden. Beziehungsweise, es ist einfach eine Geschmackssache.

Vielleicht sehe ich selbst die Farben nicht richtig, wer weiß? In meiner Welt ist alles schön, und … Was sehen andere Augen?

Also Mögen oder Nichtmögen, was sagt das schon über den Wert einer ausgereiften Zeichnung aus?

Und für wen zeichne ich? Für mich oder für dich?

Vollendung einer Zeichnung

Der Tag ist vollendet, aber die Zeichnung nicht. Wie soll ich heute Nacht schlafen, wenn das Ergebnis auf dem Papier nur einer bloßen Enttäuschung gleicht?

Jede Stunde, die ich daransetze, macht die Zeichnung nur noch schlimmer.

Ich kann nicht mehr. Ich brauche eine Pause.

Aber für eine Pause brauche ich mindestens ein Zwischenergebnis.

Ich meine, ein gelungenes.

Eins, das mir den Mut gibt, das Zeichnen nicht völlig aufzugeben.

Nur, die Energie reicht nicht.

Und dieses Zwischenergebnis, darauf warte ich seit Stunden.

OK. Wann gefiel mir die Zeichnung noch?

Gestern. Der Bleistift-Entwurf? Ja.

Also all die Farb-Kombis, die ich heute ausprobiert habe, die verwerfen wir? Ja.

Was für eine Zeit- und Energie- und Papier- und Farb-Verschwendung! – Ja, vielleicht.

Jetzt gebe ich das Zeichnen für immer auf.

„Ich werde nie wieder zeichnen!“

Kann ich eh nicht, anscheinend.

Das heißt Konsistenz.

Welch eine Erleichterung!

Nie wieder zeichnen, stell dir mal vor!

Jetzt gilt es für immer.

Ich meine: Nur jetzt, weißt du?

Auch das ist erleichternd.

Vom Kopf aufs Papier

Der Charakter will leben. Während er noch nur in meinem Kopf existiert, bringt er meine Hände in Bewegung. Wie getrieben hole ich Papier, Pinsel, Feder und alle Tuschen heraus.

Comic Zeichnung. Die kleine Frau schaut mit verträumtem Lächeln in die Luft. Sie stützt ihren Kopf auf eine Hand. Über ihren Kopf ist ein kleines Herzchen gezeichnet.
Tusche Illustration im Stil einer Comic Zeichnung. Die kleine Frau im gepunktetem Outfit hält ein Huhn in den Händen. Mit Feder und Pinsel gezeichnet.
Comic Zeichnung. Die Tusche Illustration zeigt die kleine Frau mit gepunktetem Outfit, wie sie einen Handstand macht. Sie lächelt.
Tusche Illustration für die Kategorie "Körper Skizzen". Die kleine Frau mit gepunktetem Outfit steht vor einem Spiegel. Sie hält eine Hand auf seiner Oberfläche und schaut ihr Spiegelbild an. Sie fragt „Wer bist du?“. Die feine Zeichnung ist mit Pinsel und Feder gezeichnet.

– „Ja, ja, warte. Gleich. Jetzt kann es losgehen. Welche Farbe willst du denn haben, erstmal?“

Der Charakter bewegt meine Hände schnell und schon habe ich vor mir viele kleine Tuschefässer gesammelt und aussortiert.

– „Gelb? Grün? Goldgrün? Gelbgrün? Kükengelb? Zahngelb? Formica-Gelb? Hm… OK, ist nicht ganz meine Farbe!“

– „Aber meine!“

Ich zeichne. Der Charakter, der noch nur in meinem Kopf existiert, ist gar nicht zufrieden.

– „Ich sehe doch nicht so aus!“

– „Ist mir schon klar.“

Ich zeichne.

– „Nicht so!“

– „Ich weeeeeiß. Ich werde gerade erst warm.“

– „So, was hältst du davon?“

– „Nicht schlecht, aber nicht gut.“

– „Entspricht auch meinem Gefühl. Sag mal, wie ist deine Nase? Spitz, rund? Klein, groß?“

– „Wie meine Nase aussieht, ist deine Aufgabe. Auf jeden Fall bin ich süß, gescheit, verspielt und einfach rundum glücklich.“

– „Du hast ja Glück.“

Dann ist der große Moment da. Stille im Kopf. Ich schaue mir das Bild an. Und ich weiß nicht mehr, wo der Charakter ist. Im Kopf oder auf dem Papier?

– „He. Bist du da?“

Stille. Der Charakter auf dem Papier schaut mich an. Er sieht süß, aber nicht bildhübsch aus, gescheit, aber nicht hochbegabt, verspielt und glücklich sowieso.

Und grün, sehr grün sieht er aus. Da frage ich mich, wie dieses Goldgrün – das an seinen schlimmsten Tagen einfach nur Khaki ist und an seinen besten Tagen einen warmen Orangenstich aufweist – wohl auf meine Webseite aussehen wird. Aber gut … Das war nicht meine Entscheidung.

Es sieht so aus, als ob dieser Charakter keine Sorgen kennt. Inspirierend.

– „Kenne ich auch nicht! Ist ja die Idee, dass ich nicht wie du bin!“

– „Da gebe ich dir recht. Oh und! Du sprichst wieder?“

Nun zeichne und zeichne ich. Es werden viele. Plötzlich weiß ich nicht mehr, wo der echte, der originale, der ursprüngliche, der wahre Charakter steht.

– „Bist du das?“

– „Nein.“

– „Und dieses?“

– „Nein.“

– „Wo bist du, Mensch?“ frage ich ihn.

– „Die da hat meine Nase, der da hat meine Hände. Meine Augen nimmst du hier.“

Am Tag danach, in aller Frische, wird gebastelt.

Dann passiert es wieder. Stille im Kopf. Ich glaube, heute feiern wir Geburtstag.

– „Jetzt brauchen wir noch einen Namen für dich. Und was bist du überhaupt? Frau, Mann? Kind? Alles? Bist du sehr jung, sehr alt? Beides?“

Aber der Charakter redet nicht mehr. Er existiert jetzt nur noch auf dem Papier. Und ich kann mich erholen.

Das Leben mit diesem Charakter hat sich eingependelt. Es ist nicht mehr so aufregend, aber weiterhin schön. Manchmal denke ich, der Charakter ist nicht elegant genug. Er wirkt ein bisschen grob. Er sieht manchmal sogar albern aus. Aber halt. Bin ich eine Mama, die bedingungslos liebt, oder nicht?

Ein sehr persönliches Geschenk – Life Map


Ressourcen, Kraft der Beziehungen und Sinn‑Quellen. Der Psychologe Mihaly Csíkszentmihályi hat jahrzehntelang über psychische Energie geforscht. Sein Ergebnis: Wenn diese Energie auf ein selbstgewähltes Ziel kanalisiert wird, entstehen Glückszustände, die er „Flow“ nannte. Klarheit darüber zu haben, welche Tätigkeiten bei uns die größten Chancen haben, diese Zustände hervorzurufen, gibt uns die Möglichkeit, sie bewusst in unserem Alltag zu integrieren.

Schritt 1 Die Intention.
Der Prozess soll Dankbarkeit für den bisher zurückgelegten Weg ausdrücken und als Erinnerung an sinnstiftende Aktivitäten dienen. Auch lebensverändernde Erfahrungen, Ressourcen, Sinn‑ und Kraft‑Quellen haben ihren Platz in einer Life‑Map.

Schritt 2 Das Coaching in positiver Psychologie.
In drei längeren Sitzungen werden die Inhalte herausgearbeitet. Ich erhalte ein ausführliches Briefing mit den zu zeichnenden Elementen.

Schritt 3 – Das ästhetische Vorhaben.
Die Auftraggeberin mag die „Feder‑Ästhetik“ mit Sepia-Hintergrund, ähnlich alten Landeskarten. Sie will durch feine Striche eine gewisse Leichtigkeit erzeugen. Ihre gewünschte Farbpalette besteht aus erdigen Tönen und Naturfarben.

Schritt 4 Die Vorlagen.
Ich bekomme reichlich Vorlagen: Fotos für die Motive und Inspirationen für den Stil.

Schritt 5 Der Bleistift-Entwurf mit Text in Handschrift.
Ich entwickle meinen Vorschlag für die Komposition. Die Bleistiftmotive sollen später als Vorlage für die Feder‑Striche dienen. Die Texte habe ich aus dem Briefing der Auftraggeberin übernommen; nun stelle ich sicher, dass sie ausgewogen im Layout erscheinen. Die Legende in schwungvoller Handschrift orientiert sich an alten geografischen Karten.

Schritt 6 Erste Feedback‑Schleife.
Die Änderungen, die die Auftraggeberin an den Motivdetails wünscht, setze ich um. Ein Radierstrich und plötzlich sieht das Gesicht, die Körperhaltung oder das Objekt anders aus. Jetzt erhalten wir einen ersten Eindruck des Endergebnisses.



Schritt 7 Start mit der Reinzeichnung.
Ich platziere gerne den Rahmen als Erstes. Das ist die Kulisse, in der sich das Ganze abspielt. Die Leisten der Karte sind akribisch handgezeichnet, mit höchstem Fokus auf regelmäßige, wiederkehrende geometrische Formen.

Tuschezeichnung. Hier sind lediglich zwei Rahmen zu sehen (ein großer und ein kleiner), mit Feder gezeichnet. In der Mitte sind Flächen in aquarellartiger Farbe, die Meere erahnen lassen. Fünf Inseln sind verteilt und mit Tusche in Endversion gezeichnet.

Schritt 8 Die Reinzeichnung. Jetzt geht es richtig los! Mit freudiger Konzentration zeichne ich Kontinente, Tiere, Boote und Wappen im Mittel der Karte – mit Feder und farbiger Tusche. Für Striche und Texte nutze ich schwarze bzw. Sepia-Tinte. Ich begegne dieser Etappe mit Respekt. Jetzt entstehen die endgültigen Formen und Linien. Der Gesamteindruck soll mal zart, mal kräftig, mal rund, mal gerade an den passenden Stellen wirken.

Schritt 9 Zweite Feedback-Schleife. Die Auftraggeberin kann nun weitere Details anmerken, die sie gerne anders hätte. Ich implementiere sie. Und… sind wir fertig? Es sieht so aus!

Schritt 10 Reflexion.
Die Zeichnung wirkt überraschend leicht. Ich akzeptiere den manchmal frechen Prozess, der mir immer wieder neue Überraschungen schenkte, die es zu lösen galt. Auf inhaltlicher und ästhetischer Ebene wurden unzählig kleine Entscheidungen getroffen, oft lange hin‑ und her probiert und überlegt. Das sehen wir hier nicht – ein Glück!

Schritt 11 Fine Art Print.
Ich sende die Datei an den Fine Art Druck. Vor Ort werden noch feine Abstimmungen vorgenommen, damit Schwarz und Farben wie gewünscht gedruckt werden.

Schritt 12 Einrahmung.
Die Entscheidung fällt auf feine schwarze Leisten und entspiegeltes Museumsglas mit UV‑Schutz. Die Passepartout Farbe wird nach dem „6-Augen-Prinzip” ausgewählt…

Illustration für ein Magazin

Flüchtlinge bei sich aufnehmen.“ Selten bleiben die ersten Skizzen eines Projektes bis zur Freigabe intakt. In der Regel durchläuft eine Zeichnung eine Vielzahl kleiner Schritte, die nicht unbedingt vorwärtsbringen. Es geht hin und her, und irgendwann ist die Klarheit da: „Fertig!“. Das Transform-Magazin verfolgt das Ziel, sich „Anstöße für den gesellschaftlichen Wandel hin zum guten Leben für alle“ zu widmen.

Schritt 1 – Die Intention. Sich humorvoll und tiefgründig zugleich der Reaktionen zu der „Flüchtende“-Welle von 2015 annähern.

Schritt 2 – Die Idee. Eine wohlwollende und wohlhabende Person mit viel Mitgefühl, aber wenig Tatendrang.

Schritt 3 – Der Text. Die Gedankengänge der Hauptdarstellerin realistisch erfinden und aufschreibenMehrere Durchläufe, bis die Worte sitzen.

Schritt 4 – Das Dekor. Ein Wohnzimmer im Stil eines Einrichtungsmagazins dient mir als Vorlage. Ich zeichne es nach.

Skizze Schwarz Weiss vor weißem Hintergrund. Die mit Pinsel angefertigte Tuschezeichnung zeigt ein Wohnzimmer im Stil eines Einrichtung‑Magazins.

Schritt 5 – Charakter, Dekor und Texte zusammenbringen. Oben links starten die Gedanken und entwickeln sich organisch nach rechts unten in Lese­richtung zur Frau, die sie denkt. Der Text in Handschrift war zu unruhig.

Zeichnung mit Buntstift: eine Frau sitzt auf dem Sofa in einem Wohnzimmer im Stil eines Einrichtung‑Magazins. Text in Handschrift.

Schritt 6 – Text für die Print Ausgabe lesbar machen. Ich entscheide mich für eine Computerschrift, die es ermöglicht, den Text in den Hintergrund zu rücken, während das Wohnzimmer mehr Raum einnimmt.

Schritt 7 – Zeichnen-Technik. Entscheidung getroffen: Es wird eine Zeichnung mit Tusche und PinselZurück zum Stil der ursprünglichen Dekorskizze.

Schritt 8 – Der Charakter. Er soll sich abheben. Der einfache Kontrast zwischen zwei Primärfarben lenkt sofort den Blick auf die Hauptfigur.

Schritt 9 – Der Titel. Damit sich der Titel der Illustration gut in die Zeichnung einbettet, wird er per Hand geschrieben – mit Buntstift.

Diese blaue Tuschezeichnung ist die fertige Auftragszeichnung. Sie zeigt ein Wohnzimmer im Stil eines Einrichtung‑Magazins in dem eine sitzende Frau, im roten Kleid, darüber reflektiert, warum sie keine geflüchtete Menschen bei sich empfangen kann.

Rückblick – Im Nachhinein hätte ich lieber einen Mann als Hauptcharakter gewählt, da statistisch gesehen die Mehrheit der Frauen weltweit die „Care-Arbeit“ (Fürsorge-Arbeit) ausführt. Aber Humor macht vor keiner Halt …

Vinyl Artwork & CD Cover

Drittes Album – Jazz-Swingband Paris Gadjo Club.
Dieses Vinyl Artwork und CD Cover ist die Gestaltung des letzten Albums des Triptychons Café du Brésil der Jazz‑Musikband Paris Gadjo Club. Der Bandgründer Christophe brauchte für seinen Überfluss an neuen Liedern ein drittes Musikalbum. Er sagte mir: „Dieses Mal soll es wirklich nachts sein.“ Der prominente Gast Yamandu Costa sollte sich in die Gruppe zusätzlich einfügen und sein Beitrag Ehre erhalten.

Schritt 1 – Die Intention.
Gestaltung für die letzte CD der Reihe „Café du Brésil“. Nach den beiden ersten CD Covern mit hellem Hintergrund passte hier eine Nachtsituation. Musikanten, Sängerin und Publikum sind im letzten Akt des Tages angelangt: die tiefe Nacht. Die Stimmung hat etwas Magisches: Die Musik bezaubert alle Anwesenden – es ist spät, aber niemand will gehen.

Schritt 2 – Das Motiv.
Die Zeichnung sollte etwas vom Freiluftkonzert in einer milden Sommernacht haben. Die Straße sollte als solche erkennbar sein, mit Stadt-Bäumen und Laterne. Im Fokus sollte die Band stehen, die für ein aufmerksames Publikum spielt.

Schritt 3 – Im Fokus: Die Musikband.
Auf diesem Album gibt es einen Gastmusiker: den virtuosen brasilianischen Gitarristen Yamandu Costa. Eine wunderbare Trompeterin und ein feinfühliger Akkordeonist erweitern die ursprüngliche Besetzung. Alle sollen voll in Fahrt gezeigt werden. Der Hinweis „Special Guest Yamandu Costa“ soll irgendwo sichtbar platziert werden.

Schritt 4 – Vorlagen.
Ich erhalte viele Vorlagen von Christophe: Fotos der Bandmitglieder und Nachtaufnahmen von Bars, Cafés und Restaurants mit Lichterketten. So bekomme ich ein Eindruck von der Atmosphäre, die ihm gefällt, und die er gerne in die Zeichnung einfließen lassen möchte.

Schritt 5 – Die Gesamtkomposition im Bleistiftentwurf.
Wie bespielen wir das Format? Christophe möchte wieder das Café als Kulisse nehmen. Ich schlage ihm vor, vom Café selbst wenig zu zeigen – im Gegensatz zu den beiden vorherigen Musikalben – und stattdessen eine Bühnensituation zu schaffen. Zur Raumdarstellung gehört im Hintergrund die Pariser Straße bei Nacht. Im Bildmittelgrund steht die Musikband, und im Vordergrund sehen wir das Publikum mit dem Namen der Band und dem Titel des Albums.

Bleistift auf Papier. Skizze einer Freiluft Konzert Szenerie vor dem "Café du Brésil III". Eine Laterne und Straßenbäume umranden die Bühne. Auf der Bühne singt eine Sängerin begleitet von sieben Musizierenden. Vorne steht ein aufmerksames Publikum. Unter der Szenerie steht im Text in Handschrift "Swinging Brasil, Paris Gadjo Club". Rechts im Bild steht „Special guest Yamandu Costa“.

Schritt 6 – Die Komposition der Band.
Wie sollen die Musiker, die Musikerin und die Sängerin zueinanderstehen? In welcher Richtung sind ihre Körper geneigt? Wer steht, wer sitzt? Christophe hätte es gerne, dass die Besetzung wie bei den Konzerten platziert ist. Ich notiere mir die Reihenfolge und die Haltungen: Die Sängerin, die Trompeterin, der Kontrabassist und der Akkordeonist stehen. Die Gitarristen sitzen.

Schritt 7 – Grünes Licht von Christophe.
Ich starte mit der Reinzeichnung. Die finale Illustration entsteht durch zahlreiche kleine Entscheidungen. Davon liste ich einige unten auf.

Schritt 8 – Farbauswahl.
Der Hintergrund wird eher kühl gehalten, mit Indigo und sehr hellem Türkis. Die Baumkulisse rechts und links in dunklem Alt-Bordeaux hebt die Nachtatmosphäre hervor, ebenso der weiße Halo der Laterne und der Lichterketten. Im Kontrast dazu springt die Bühne mit ihren bunten Rosa-Orange-Farben ins Auge. Für eine angenehme farbliche Opposition sind die Musizierenden in kühle Blau- und Grün-Tönen gekleidet, sodass sie sich von der warmen Bühne abheben. Die bunten schattierten Farben beleben die Nacht, wie die Jazz‑Musik die Stimmung.

Schritt 9 – Text in Handschrift.
Hier halte ich mich am Design meiner beiden letzten Vinyl und CD Covers für Paris Gadjo Club. Dieses Album soll sich gut in die Reihe einfügen. Der „Café du Brésil“-Schriftzug ist direkt von der Typografie an der Fassade der gleichnamigen Bar in Paris abgeleitet. „Paris Gadjo Club“ ist schräg geschrieben, mit geraden Buchstaben und stilisiertem Schatten. Die eher geometrischen Linien kontrastieren mit den organischen Strichen der übrigen Zeichnung. Der Titel des Albums, „Swinging the Choro“, wird schwungvoll mit Pinsel geschrieben.

Schritt 10 – Die Gesichter.
Einige Band-Mitglieder schauen auf ihr Instrument, weitere schauen zu anderen Musizierenden, während andere die Augen geschlossen haben – in sich und der Musik völlig versunken.

Schritt 11 – Feedback von Christophe.
Christophe bittet mich, ein Gesicht zu überarbeiten und ein Kostüm zu ersetzen.

Tuschezeichnung. Illustration einer Freiluft Konzert Szenerie vor dem "Café du Brésil III". Eine Laterne und Straßenbäume umranden die Bühne. Auf der Bühne singt eine Sängerin begleitet von sieben Musizierenden. Vorne steht ein aufmerksames Publikum. Unter der Szenerie steht im Text in Handschrift "Swinging Brasil, Paris Gadjo Club". Rechts im Bild steht „Special guest Yamandu Costa“. Die Farben des Konzertes sind Orange, Rosa und Lila gehalten. Die Farben der Nacht sind Cassia und Dunkles Indigo.

Schritt 12 – Die Zeichnung ist fertig!
Und es geht gleich weiter, denn die CDs sollen gebrannt werden und die CD Covers sollen zeitnah in die Druckerei kommen.

Schritt 13 – Übergabe an die Designerin.
Sabine erhält meine Cover‑Datei und weitere Dateien für die CD‑Hülle, die CD-Platte selbst und das Booklet. Für das Booklet hat sie mich um ein paar farbige „Würfe“ gebeten. Die Charaktere brauchte sie auch zusätzlich freigestellt. Für die CD‑Platte übernimmt sie meine Texte in Handschrift ohne Hintergrund. Sie kümmert sich um die Kommunikation mit dem Musikverlag hinsichtlich des Drucks.

Neujahrskarte im B2B- und B2C-Bereich

Berufliche Kontakte eine kleine Freude bereiten. Manche Unternehmen und Freiberuflerinnen haben es zur Tradition gemacht, ihrer Kundschaft und ihren Kontakten einen persönlichen Neujahrsgruß zu senden. Diese Aufmerksamkeit stärkt die Beziehung – sie gehört auch zur Brand‑Strategie. Die Botschaft kann die professionelle Webpräsenz abrunden, wenn sie zur richtigen Zeit in sozialen Medien veröffentlicht wird.

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Schritt 1 – Die Intention. Der Neurochirurg Marc Lévêque widmet seine Arbeit der Befreiung von chronischem Schmerz. Welche Szene könnte das visualisieren?

Schritt 2 – Die Idee. Mit den Patientinnen und Patienten, dem Krankenhaus‑Personal sowie den Kolleginnen und Kollegen eine frohe Vision teilen: Ein Leben ohne Schmerz ist möglich. Welches Sinnbild könnte diese Botschaft vermitteln?

Schritt 3 – Der Charakter. Eine Frau, da Frauen vom chronischen Schmerz am meisten betroffen sind.

Schritt 4 – Das Bühnenbild. Unsere Hauptfigur wird in einer freundlichen, lebensdienlichen Umgebung aufgenommen. Für sie gibt es nichts zu tun – sie erholt sich vom Alltag und Schmerz.

Schritt 5 – Der Entwurf. Bleistift auf Papier. Umgebung und Charakter herausarbeiten, die der Intention dienen.

Schritt 6 – Der Text. Marc entscheidet sich für eine sehr knappe Botschaft, auf den Punkt gebracht: „Leben ohne Schmerz“ („Vivre sans douleur“).

Schritt 7 – Den Text im Layout platzieren. In dem Fall greife ich auf das klassische Layout meiner Neujahrskarten für Marc Lévêque zurück: Der Text wird unten platziert, so dass das Bild viel Raum erhält, um sich frei zu entfalten. Bevor die Worte gelesen werden, kann die Zeichnung bereits eine subtile Atmosphäre vermitteln. Kontemplativ kann die Betrachterin die Stimmung auf sich wirken lassen. Die Worte sollten das Gesamtbild abrunden und die Botschaft in die gewünschte Richtung verfeinern.

Schritt 8 – Auf der Suche nach den richtigen Farben. Welche Farben beruhigen die Seele? Alles ist möglich, doch nach mehreren Versuchen bleibe ich bei „Grün für die Bäume“ und „Blau fürs Wasser“. Ich wünschte mir zwischendurch, ich hätte etwas Originelleres gefunden, doch genau diese treue Anlehnung an die Naturfarben beruhigt unser Auge – und das passt gut zu unserer Intention. Damit ein freudiger Kontrast entsteht, suche ich Komplementärfarben zu Blau und Grün für die Wiese. Die Blumen bringen Leichtigkeit, Verspieltheit und Sinnlichkeit; der Betrachter kann fast den Duft riechen. Die dunkelrosa und cassiafarbene Kleidung der Figur sollen diese zu den Blumen integrieren und von der hellen Wiese abheben. Die Haare der Figur sind dunkler als die Baumstämme, damit der Blick zuerst auf sie fällt.

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Schritt 9 – Text mit Feder schreiben. Es bedarf mehrerer Versuche, bis alle Buchstaben schwungvoll und regelmäßig wirken.

Schritt 10 – Zeichnung mit Wasserfarben. Sanfte, einfache Farbpalette: Grün, Braun, Blau. Ein paar bunte Blumen, nicht schrill. Die dunkellila Fläche der Hose zieht den Blick an, die horizontalen Streifen lockern den Charakter auf und kontrastieren zu den vielen vertikalen Strichen der Vegetation.

Schritt 11 – Freigabe. Die letzte Version stimmt Marc und mir froh – wir sind fertig!

Schritt 12 – Druck‑Freigabe. Parallel zum Zeichenprozess habe ich mich bei der Druckerei nach Papier beraten lassen. Wir haben uns für ein 400 g/m²‑Papier, ungestrichen und in einem leicht wärmeren Weiß entschieden. Ich gebe die Datei in den Druck.

Schritt 13 – Web‑Datei. Marc erhält von mir eine leichte JPEG‑Version, die er dann am ersten Januar auf seinem LinkedIn‑Profil online veröffentlichen kann.

Schritt 14 – Neujahrskarten verschicken. Das Druckergebnis gefällt mir, alles ist glatt gelaufen. Ich verpacke die Karten sicher und versende sie nach Frankreich an Marc. Dann kann er über die Weihnachtsferien bereits seine Karten mit einem Gruß versehen und zu seinen Kontakten schicken.